Sprecherin

Marie Koch / Upstalsboom

Interview

Marie Koch, am Tag der Konferenz frischgebackene Absolventin der Hochschule für Wirtschaft & Recht (Berlin) mit ihrem Bachelor BWL / Tourismus in der Tasche! Gratulation!

 

Die letzten vier Jahre hat Marie als duale Studentin im Upstalsboom Hotel „MeerSinn“ in Binz auf Rügen gearbeitet.

Seit dem 1. September gestaltet und leitet sie einen neuen Geschäftsbereich bei Upstalsboom, der sich mit der Wertentwicklung in Unternehmen allgemein beschäftigt.

Zusammen mit ihren Mit-Azubis, den „Killi Rockstars“, hat Marie Koch zu Beginn des Jahres mit Bodo Janssen den Kilimandscharo bestiegen.

Über diesen außergewöhnlichen „Upstalsboom Weg“  und Erfahrung hinsichtlich Potenzialentfaltung und Selbsterfahrung erzählt sie uns mehr.

 

1) Was bedeutet der Konferenzclaim „Arbeitszeit ist Lebenszeit“ für Dein persönliches Leben?

„Wähle einen Beruf, den du liebst, und du musst nie im Leben arbeiten.“ –Konfuzius

Genauso ist es! Das merkt ich schon daran, wie schnell die Stunden verstreichen, wenn mir eine Aufgabe Freude bereitet, im Gegensatz dazu, wie unglaublich langsam Zeit vergeht, wenn es eine Aufgabe ist, die ich ungern tue.

Egal ob der Mensch seine Arbeit gerne oder ungern tut; Arbeitszeit ist Lebenszeit. Und deshalb ist es so wichtig, eine Arbeit zu finden, die einem Freude bereitet. Die Zeit ist die gleiche, aber die Wahrnehmung und der Mehrwert sind ein anderer.
Wie sehr 8 Stunden am Tag einen Menschen beeinflussen können: Der eine geht motiviert, glücklich und vielleicht dennoch erschöpft nach Hause, weil er etwas tun durfte, was er mag oder liebt. Der andere, der seine Arbeit nicht gerne tut und nur Dienst nach Vorschrift leistet, für den beginnt erst nach Feierabend die Lebenszeit. Er vergisst dabei, dass er so viel weniger Lebenszeit/ Zeit am Tag hat, als der, der seine Arbeit mag.

Für mich und mein persönliches Leben ist somit ein Ideal erreicht, wenn meine Arbeitszeit zuzüglich gewonnene Lebenszeit ist und ich einen Mehrwert und somit eine Bereicherung daraus ziehe.

 

Dein Berufswunsch als Kind? In welchen Beruf  würdest Du heutzutage gern einmal hineinschauen (unabhängig von der Ausbildung / Möglichkeit)?

Als Kind hatte ich keinen Berufswunsch. Klar, ich wollte immer gerne Prinzessin werden, aber abgesehen davon, habe ich mir keine Gedanken dazu gemacht. Wie ein Kind eben – ich habe in den Tag hinein gelebt. Heutzutage bin ich mit dem, was ich mache, so zufrieden, und so froh, diesen Weg eingeschlagen zu haben, dass ich nichts anders machen würde. Trotzdem würde ich gerne mal in anderen Berufen „kleines Mäuschen“ spielen. Die Menschen, die viele Fäden aus verschiedensten Bereichen zusammenbringen, finde ich beeindruckend (Logistik-Unternehmen oder auch die unzähligen Online-Vertriebe). Außerdem habe ich großen Respekt vor Menschen, die mit Behinderten oder Kranken zusammenarbeiten und diese pflegen. Ich ziehe meinen Hut vor ihnen, weil ich mir diesen Beruf nicht für mich vorstellen kann.

 

Wie sorgst Du für Erholungs- oder Entspannungspausen an Deinem (Arbeits)Tag oder in anstrengenden Arbeitswochen?

Wenn alles so ist, wie es sein soll, dann gehe ich nach einem anstrengenden Arbeitstag/ einer anstrengenden Arbeitswoche ja trotzdem mit einem Lächeln nach Hause. Die Erholungspausen braucht dessen ungeachtet ein jeder. Ich habe gelernt, wie gut es mir tut, auch mal für mich selbst zu sein: in der regulären Arbeitswoche, aber auch für einen längeren Zeitraum im Urlaub. Vor kurzem war ich alleine mit einem Mietwagen in der Toskana. Diese Zeit hat mir unglaublich gut getan und mir viel Kraft für den Alltag gegeben. Außerdem habe ich im Zuge der Kilimandscharo-Vorbereitung den Sport für mich entdeckt. Nach einem langen Arbeitstag den Kopf „frei zu joggen“ habe ich lange Zeit nicht verstanden, aber jetzt weiß ich was damit gemeint ist. Es ist sehr schön, mich auch mal körperlich zu beanspruchen und gibt mir viel Zufriedenheit.

 

Welche Werte machen für Dich eine positive Unternehmenskultur aus?

An erster Stelle steht für mich die Wertschätzung. Es ist so unglaublich wichtig, für die Arbeit die man erbringt, eine Wertschätzung derer zu erfahren, die dies mit einem zusammen tun, aber auch von denen die einen Nutzen daraus ziehen. In der Gastronomie und Hotellerie steckt so viel hinter den Fassaden, was die Gäste gar nicht wissen. Mir ist es sehr wichtig, zu vermitteln, wie viel notwendig ist, bis ein Produkt bei dem Gast so ankommt, wie er es sich wünscht und erwartet. Außerdem Freundlichkeit – es tut keinem weh, freundlich zu sein. Natürlich hat jeder mal einen schlechten Tag, aber gerade denen hilft es sehr, ihnen dennoch mit Freundlichkeit zu begegnen. Einem aufgebrachten Menschen den Wind aus den Segeln zu nehmen. Mit Freundlichkeit zu reagieren, wenn das Gegenüber es am Wenigsten erwartet – das ist unendlich viel wert.

Fairness, gleiche Behandlung, keinen Menschen in seiner Wertigkeit über einen anderen stellen…ich könnte jetzt noch ewig so weitermachen. Am Ende entsteht daraus ein Gesamtbild – und dieses Gesamtbild ist es, dass das Miteinander, den Alltag und natürlich auch die Lebenszeit, die ja schließlich Arbeitszeit ist, zu etwas wunderbarem und schönem zu machen.

Über den Upstalsboomweg

 

Der Upstalsboom Weg - die Geschichte.

Der Begriff Upstalsboom bezeichnet eine altfriesische Thingstätte aus dem 14. Jahrhundert. Dort stand ein Baum („Boom“), an dem die Pferde aufgestallt („upstallt“) wurden, wenn sich die friesischen Häuptlinge trafen, um in der Gemeinschaft Gleichgesinnter neue Kraft zu schöpfen.

Seit 1976 ist Upstalsboom auch ein friesisches Unternehmen, welches aktuell mit 650 Upstalsboomern ca. 350.000 Gäste pro Jahr in seinen 65 Hotels und Ferienwohnungsanlagen an der Nord- und Ostsee, sowie in Berlin, begrüßt.

Bis zum Jahr 2010 war das Handeln vieler führender Upstalsboomer geprägt von den Prinzipien der klassischen Betriebswirtschaftslehre. Ihr Fokus lag darauf Gewinne zu maximieren. Um dies zu erreichen, haben sie zu viel gemanagt (Zahlen, Daten, Fakten) und zu wenig geführt (Menschen). Ihr Umgang mit Menschen orientierte sich dabei zum Teil unbewusst an den machtgeprägten Grundsätzen von Machiavelli (Zuckerbrot und Peitsche, Führung als Privileg, Intransparenz als Machtinstrument).

Vor vier Jahren waren es die vernichtenden Ergebnisse einer Mitarbeiterbefragung, die mich als Geschäftsführer von Upstalsboom sehr betroffen gemacht haben; die Mitarbeiter fühlten sich schlecht geführt. Die Erkenntnis, dass der „Fisch am Kopf (also bei mir) anfing zu stinken“, war sehr ernüchternd und schmerzhaft. Ich entschloss mich, mich und Upstalsboom zu ändern. Eineinhalb Jahre lang ging ich regelmäßig in ein Benediktinerkloster, um von Pater Anselm Grün und dem „Team Benedikt“ für mich neue Sichtweisen zu verstehen. Parallel hierzu beschäftigten wir uns mit dem Corporate Happiness Ansatz, der auf Basis der positiven Psychologie Menschen dabei unterstützt, glücklicher werden zu können. Im Spannungsfeld zwischen Spiritualität und Wissenschaft begannen wir mit immer mehr Upstalsboomern einen neuen Weg zu beschreiten, den UpstalsboomWeg.

Seitdem konnten wir auf unserem neuen Weg einen unternehmenskulturellen Paradigmenwechsel einleiten. Gemeinsam haben wir eine Kultur der Authentizität entwickelt, in der immer mehr Mitarbeiter im Unternehmen das leben können, was ihnen als Mensch wichtig ist, was ihnen Freude bereitet und wofür sie ein Talent haben. Immer mehr Mitarbeiter konnten sich auf dem Upstalsboom Weg vom Leben im Hamsterrad zum Fels in der Brandung bewegen. Das Prinzip, mit dem wir diesen Weg beschritten haben, lässt sich mit „Wertschöpfung durch Wertschätzung“ gut beschreiben, die „queren“ Gedanken und gebrochenen Muster wie folgt gegenüberstellen: Führung ist Dienstleistung, kein Privileg; Humanpotential statt Humanressource; die Lebenszeit sehen und nicht zwischen Arbeits- und Freizeit differenzieren; den Menschen sehen und ihn nicht in Generation und Geschlecht clustern.

Das konnten wir bisher erreichen: Mitarbeiterzufriedenheit plus 80%, Senkung der Krankheitsquote von 8% auf unter 3%, Anzahl der Bewerbungen plus 500%, Steigerung der Gästezufriedenheit auf 98%, Verdopplung der Umsätze innerhalb von drei Jahren bei signifikanter Steigerung der Produktivität. Unser intuitiv gedrehter Kurzfilm wurde in nur 8 Monaten in über 80 Ländern 45.000 Mal heruntergeladen. Er wurde als weltweit beste PR im Bereich Company Philosophy and Portrait ausgezeichnet, gewann einen Filmpreis und lief in den Kinos von München, Zürich, Darmstadt, Karlsruhe und Frankfurt. Neben vielen weiteren Auszeichnungen und Preisen wurden wir von TOP JOP als Top-Arbeitgeber ausgezeichnet und erhielten von der Cosmopolitan hierbei den Sonderpreis Fokus Frauen.

Weitere Informationen über Upstalsboom sind, unter anderem, in einer Publikation der brandeins zu finden.

Bodo Janssen

-Geschäftsführer-