Barcampthema: "Starre Unternehmenskulturen sind die Videotheken im Zeitalter von Netflix."

Maria Gerono und Anja Dehghan / Join the Jobinnovator, Portal für neues Arbeiten

Wir haben gemeinsam studiert und kennen uns schon seit der Schulzeit. Wir haben jeder eine Weile in der Filmbranche gearbeitet, im Produktionsbüro und am Set. Projektarbeit ohne Feierabend. Mit den Kindern wurde es immer schwieriger, die Zwölfstundentage zu vereinbaren und irgendwann fühlte sich das einfach nicht mehr richtig an. Also haben wir uns auf die Suche nach einem Job gemacht, der sich besser in unser Leben fügt und trotzdem keinen Stillstand bedeutet. Das war schwieriger als erwartet und der Startschuss für JOIN, unsere Suchmaschine für Jobs, die zum eigenen Leben passen. Heute haben wir manchmal wieder 12 Stundentage, aber selbstgewählt und frei gestaltet.

 

Interview

 

1) Was bedeutet der Konferenzclaim „Arbeitszeit ist Lebenszeit“ für Dein persönliches Leben?

 

Maria:

Ich möchte für mein Leben, dass ich die Zeit, die ich in Arbeit investiere, mit sinnstiftentenden Dingen verbringe. Auf der anderen Seite ist es wichtig, dass es auch Zeiteinheiten gibt, in denen die Arbeit mal nicht stattfindet. Das fällt mir nicht immer leicht, weil wir als Gründer natürlich mit unserer Idee aufstehen und abends ins Bett gehen. Trotzdem gibt es sehr viele andere Dinge die genau so wichtig sind.

 

Anja:

Für uns als Gründer ist klar, dass wir das, was wir tun, aus Überzeugung tun und nicht, weil es unser Job ist. Ein bisschen davon sollte vielleicht jeder für seine eigene Arbeit empfinden, sei es nun, weil die Arbeit besonders sinnstiftend ist oder eine gewisse Sicherheit bietet. Arbeit ist ein großer Teil des Lebens und sollte deshalb keine unerträgliche Bürde sein.

 

2) Dein Berufswunsch als Kind? In welchen Beruf  würdest Du heutzutage gern einmal hineinschauen (unabhängig von der Ausbildung / Möglichkeit)?

 

Maria:

Ich wollte immer Ärztin werden. Heute bin ich froh, dass ich es nicht geworden bin, weil die Arbeitsrealität der Ärzte oft wenig damit zu tun hat Menschen zu helfen, sondern immer mehr mit wirtschaftlichen Zwängen und verwaltetem Mangel zu tun haben. Das ist bestimmt gerade in dem Bereich manchmal schwer auszuhalten.

 

In irgendeinen Beruf, der das Gegenteil von meinem Alltag ist. Definitiv ohne Büro oder Computer Vielleicht irgendwas Soziales. Mit Kindern.

 

Anja:

Als Kind wollte ich Lehrerin werden. Meine Eltern sind beide Lehrer und ich hatte alles Equipment zu Hause: Riesen-Kreidetafel, Zeigestock, Schulbücher. Meine Eltern haben mir allerdings immer davon abgeraten.

 

Ich würde wahrscheinlich etwas im sozialen Bereich machen. Vielleicht Erwachsenenbildung? Oder doch noch Grundschullehrerin?

 

3) Wie sorgst Du für Erholungs- oder Entspannungspausen an Deinem (Arbeits)Tag oder in anstrengenden Arbeitswochen?

 

Maria:

Das macht meine Familie. Kinder haben ganz andere Sorgen und Gedanken und wenn man ein bisschen da eintaucht, dann bringt einen das ganz schnell in die Realität zurück. Wir machen ja beruflich auch keine Operationen am offenen Herzen.

 

Anja:

Sobald ich nach Hause komme ist da meine Familie. Das heißt zwar nicht Füße hochlegen, aber zumindest Umdenken und Ablenkung. Außerdem kann ich gut abschalten. Wenn ich zum Beispiel am Freitag den Rechner zuklappe und weiß ich fahre über’s Wochenende weg, dann fällt es mir nicht schwer, erst am Sonntagabend wieder meine E-Mails zu checken.

 

4) Welche Werte machen für Dich eine positive Unternehmenskultur aus?

 

Maria:

Im Vordergrund steht ganz klar die Wertschätzung der Mitarbeiter. Dazu gehören für mich die Themen Teilhabe und Mitbestimmung, Transparenz und Kommunikation.

 

Anja:

Miteinander zu sprechen und ehrlich zu sein. Wertschätzung ist auch sehr wichtig, Jeder möchte doch das Gefühl haben, dass das, was er tut wahrgenommen und geschätzt wird. Und Zuhören: Nicht immer davon ausgehen, dass vermeintlich Gutes, was man im Sinn hat, auch für andere das Beste ist.